Goldberg

Aria mit verschiedenen Veränderungen (2011/12)

 

gitduo

  • für zwei Gitarren
  • Dauer ca. 45 Minuten
  • Auftragswerk von Jürgen Ruck und Petri Kumela
  • Uraufführung der Aria und der Var. 1, 4, 8, 10 am 23. April 2012 in Helsinki durch Jürgen Ruck und Petri Kumela
    Uraufführung des gesamten Werkes am 19. August 2013 in Aarhus durch Jürgen Ruck und Petri Kumela
  • erschienen bei:
    Theophilius Productions
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AriaDas Werk bezieht sich in Titelgebung, Form und Anlage auf die Goldberg-Variationen von Bach, ohne diese direkt zu zitieren oder diesen gestisch und strukturell allzu nahe zu kommen. Großer Reichtum zeichnet sowohl die Tonsprache als auch die formale Disposition aus. Es finden sich kontrapunktische Variationen wie Kanons und Fugen ebenso wie virtuose Tanzsätze (Flamenco, Walzer) und Teile, in denen spezielle zeitgenössische Spieltechniken bis hin zu mikrotonalen Tonsystemen ausgekostet werden. Die scheinbar disparaten Bestandteile verbinden sich in einer spannenden Dramaturgie zu einem einzigartigen Kunstwerk.

Var13Wie bei Bach nehmen die Kanons innerhalb der Variationen einen relativ breiten Raum ein, aber anders als bei Bach spielen nicht die Intervallabstände der beiden Kanonstimmen sondern die zeitlichen Proportionen der Stimmen zueinander die entscheidende Rolle. Die Kanons stehen in den Zeitverhältnissen 7:6, 7:5 usw. ‒ bis hin sogar zum kaum mehr Verhältnis zu nennenden 1:1 ‒, und die folgende Stimme ist immer die Umkehrung der beginnenden. Aber schon innerhalb dieser strengen Satzkonstruktionen entfaltet sich ein ganzer Kosmos von Stimmungen und Charakteren, der sich durch die freien Variationen noch vielfach erweitert.

Var11Neben den erwähnten Tanzsätzen „Flamenco“ und „Walzer“ beziehen sich zumindest die Titel einzelner Variationen auf alte Formen wie „Toccata“ oder „Passacaglia“, daneben gibt es auch geheimnisvolle und zauberhaft klingende Sätze, die „Musik aus Glas“, „Kolibri“ oder „Spieluhr“ benannt sind.

Var9Über den gesamten Zyklus erstreckt sich eine zunehmend mikrotonale Ausdifferenzierung des Tonmaterials, bis sich am Ende die Tonhöhen gewissermaßen auflösen. Gleichzeitig erreicht die Disposition der Zeitproportionen das irgendwie unwirkliche Verhältnis 1:1. Bevor also am Ende die Aria ein zweites Mal erklingt, scheinen die Variationen in vielerlei Hinsicht konsequent auf einen bestimmbaren Punkt zuzusteuern. Dieser erweist sich allerdings ‒ im Übrigen wie bei Bach ‒ als ein „Quodlibet“, in dem die Spieler ihren Weg durch die Partitur wählen müssen und das somit wörtlich („wie es beliebt“) verstanden wird. Auf diese Weise ist das Quodlibet der Abschluss einer groß angelegten Entwicklung und gleichzeitig ein Ort, an dem die zielgerichtete Konsequenz ausgehebelt wird, indem Freiheit Einzug hält.

Var30Quodlibet

 

 

Aria   1:40
     
  1. Teil  
Var. 1   0:54
Var. 2 (Kanon 7:6) 1:37
Var. 3   3:36
Var. 4 (äußerst zart, wie ein Echo, immer ohne Nagel) 1:03
Var. 5 (Kanon 7:5) 0:35
Var. 6 (Musik aus Glas) 1:34
Var. 7 ("Kolibri") 1:42
Var. 8 (Kanon 7:4) 1:34
Var. 9 ("Flamenco") 1:13
Var. 10 (Fuga a 3 voci) 1:01
Var. 11 (Kanon 6:5) 1:22
Var. 12 (nicht zu breit) 0:38
Var. 13   0:34
Var. 14 (Kanon 5:4, Toccata) 0:36
Var. 15 (Fuga a 4 voci) 3:05
     
  2. Teil  
Var. 16   1:42
Var. 17 (Kanon 5:3, "Goya") 0:39
Var. 18 (immer klingen lassen) 1:31
Var. 19 ("Spieluhr") 1:07
Var. 20 (Kanon 4:3) 1:07
Var. 21 (Fuga a 3 voci) 1:33
Var. 22   0:42
Var. 23 (Kanon 3:2) 0:22
Var. 24 Adagio, sempre rubato 4:51
Var. 25 (Fuga a 4 voci) 1:06
Var. 26 (Kanon 2:1) 0:56
Var. 27 (Walzer) 2:08
Var. 28 ("Passacaglia-Miniatur") 0:34
Var. 29 (Kanon 1:1) 0:49
Var. 30 (Quodlibet) ad. lib.
     
Aria da Capo 1:40